Lünersee – Technische Daten & Chronik

Geschichte, Staumauer und Kraftwerk des größten Sees Vorarlbergs auf 1.970 m Höhe.

Einführung

Der Lünersee (Vorarlberg, Österreich) ist ein hochalpiner Stausee auf 1.970 m Höhe, der aus einem natürlichen Gletschersee durch den Bau einer Staumauer in den 1950er-Jahren erheblich vergrößert wurde. Er fasst heute rund 78,3 Mio. m³ Wasser und dient als wichtiges Pumpspeicherkraftwerk zur Stromerzeugung (Kraftwerk Lünerseewerk, ~225–230 MW Leistung). Die Staumauer (fertiggestellt 1958) ist etwa 72 m hoch und verwandelte den Lünersee in einen der größten Seen Vorarlbergs.

Historische Entwicklung

  • 1920 – Erste Abdichtungsarbeiten am natürlichen Seegrund
  • 1954–1958 – Bau der 72 m hohen Gewölbestaumauer und des Lünerseewerks
  • 1959 – Vollstau und Inbetriebnahme des Pumpspeicherkraftwerks
  • 2013–2015 – Generalsanierung der Turbinen und Absperrorgane
  • 2017 – Inbetriebnahme des Rellswerks als zusätzliche Wasserzufuhr
  • 2025 – Erneute Speicherabsenkung zur turnusmäßigen Inspektion

Technische Daten des Stausees

Lage (Gemeinde)Vandans, Vorarlberg
Geographische Höhe1.970 m ü. A. (Stauziel)
Staumauer-TypGewölbestaumauer (Bogenmauer aus Beton)
Staumauer-Höheca. 72 m
Fläche (Vollstau)ca. 1,55–1,60 km²
Maximale Tiefeca. 139 m
Nutzinhalt78,3 Mio. m³
Energieinhaltca. 262 GWh
Wassereinzugsgebietca. 13 km² (davon 0,9 km² vergletschert)
ZuflüsseVerabach, Totalpbach, Totalpstollen, Rellswerk
AbflussÜber Druckstollen zum Lünerseewerk

Pumpspeicherkraftwerk – Lünerseewerk

KraftwerkstypPumpspeicherkraftwerk
Standort KrafthausLatschau, ca. 992 m ü. A.
Fallhöhemax. 974 m
Turbinen/Pumpen5 Maschinengruppen mit Pelton-Turbinen
Engpassleistungca. 229 MW
Pumpleistung Aufnahmeca. 224 MW
Durchfluss Turbinenmax. 27,5 m³/s
Fördermenge Pumpenmax. 28 m³/s
Regelarbeitsvermögenca. 371 GWh/Jahr
Betreiberillwerke vkw AG
Inbetriebnahme1958

Geologische Besonderheiten

  • Lage im Rätikon-Gebirge (nördliche Kalkalpen)
  • Gesteine: Hauptdolomit, Massenkalk
  • Ursprünglich Gletschersee mit Karstphänomenen
  • Geologische Funde aus Zwischeneiszeiten am Seegrund
  • Abdichtungsmaßnahmen notwendig wegen klüftigem Untergrund

Chronik – Meilensteine

1920–1931
Erste Abdichtungsarbeiten

Vorarlberg beginnt 1920 mit Abdichtungen am Seegrund; in den 1920er-Jahren werden Färbeversuche und Zement-Injektionen durchgeführt, um unterirdische Abflüsse zu reduzieren.

1954–1958
Bau von Staumauer und Kraftwerk

Baubeginn der Baustellen-Einrichtung 1954; Betonierung der Lünersee-Staumauer ab 1957, Fertigstellung Ende 1958. Gleichzeitig Errichtung des Lünerseewerks (5 Maschinen, Krafthaus Latschau). Inbetriebnahme der Anlagen 1958; am 17.09.1959 wird erstmals Vollstau erreicht.

2013
Sanierung der Absperrorgane

Im Zuge einer großen Revision werden im Sommer 2013 die verschlissenen Drosselklappen im Grundablass-Schacht ausgetauscht. Dafür senken illwerke den Seespiegel um über 80 m ab; anschließend Wiederinbetriebnahme.

2017
Erweiterung – Rellswerk

Das Pumpspeicherkraftwerk Rellswerk (1430 m ü.A.) geht in Betrieb und speist per Stollen in die Druckleitung Lünersee–Lünerseewerk ein. Dadurch erhöht sich der jährliche Zufluss zum Lünersee um rund 17 Mio. m³ (Zusatzwasser aus dem Rellstal).

2025
Zehn-Jahres-Inspektion

Für die routinemäßige 10-Jahres-Kontrolle wird im Frühjahr 2025 der Lünersee auf knapp 1/6 seines Volumens abgelassen (Spiegelsenkung um ~80 m). Die Staumauer und Einlaufsysteme werden inspiziert und gewartet, danach wird der See wieder voll aufgefüllt.

Speicherabsenkung 2025

Im Frühjahr 2025 wurde der Lünersee im Rahmen einer gesetzlich vorgeschriebenen Revision nahezu vollständig entleert. Diese sogenannte Speicherabsenkung ist Teil eines regelmäßigen Sicherheitskonzepts, das alle zehn Jahre durchgeführt wird. Ziel ist die umfassende Inspektion der Staumauer, der Absperrorgane sowie der wasserbaulichen Anlagen.

Die Absenkung des Wasserspiegels um rund 80 Meter ist ein spektakuläres Ereignis – der sonst türkisblau schimmernde See verwandelt sich in eine karge, mondähnliche Landschaft. Die freigelegten Uferbereiche geben dabei selten sichtbare geologische Formationen preis.

Während der Absenkung bleibt der Betrieb des Lünerseewerks eingeschränkt. Dennoch ist die Maßnahme essenziell für die Sicherheit und Langlebigkeit der Anlage. Nach Abschluss der Inspektionsarbeiten wird der See durch natürliche Zuflüsse und gezielte Pumpvorgänge wieder auf das reguläre Stauziel von 1.970 Metern über dem Meeresspiegel aufgefüllt.

Fazit

Der Lünersee ist ein Paradebeispiel für das Zusammenspiel von Natur, Technik und Geschichte. Als einer der größten Stauseen Vorarlbergs vereint er landschaftliche Schönheit mit ingenieurtechnischer Meisterleistung und spielt eine zentrale Rolle in der nachhaltigen Energieversorgung der Region.